Abenteuer und Hilfseinsatz in Benin / Westafrika

Ich sitze auf dem Sozius eines kleinen Motorrads und muss mich gut festhalten, während der Fahrer gekonnt um die unzähligen Schlaglöcher auf der Lehmpiste manövriert. Irgendwo in Benin. Weg von der Hauptstraße werden es immer weniger Häuser, die „Straße“ immer schlechter. „Benin? Philipp, wo bist du und was machst du da??“ Berechtigte Frage, also alles der Reihe nach…

Was lernst du in diesem Artikel?

Hilfseinsatz? Was ist deine Motivation?

Uns geht es extrem gut und unsere Probleme, über die wir uns im Alltag mehr oder weniger lautstark aufregen, sind oftmals nicht mehr als die berüchtigten „First World Problems„, also Luxusprobleme. Sich dessen immer wieder bewusst zu machen kann man trainieren und damit kann die Zufriedenheit im Alltag merklich erhöhen.
Gerade weil es mir so gut geht, mir es an nichts Essentiellem fehlt (nein, ausreichendes Datenvolumen und das Netflixabo sind nicht essentiell) wächst in mir das Bedürfnis, etwas zurückzugeben, etwas beizutragen. Im Englischen gibt es dafür den passenden Begriff „Contribution„.

Unter meinen persönlichen (Reise-) BIG5 hatte ich wie im einleitenden „Über mich“ ausgeführt den Punkt „Die persönliche Komfortzone verlassen, im Hinblick auf westliche Standards„.
Für diesen Punkt habe ich für Ende 2019 Westafrika als Backpacking-Reiseziel gewählt – und bin wirklich sehr froh diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen.

Ich konnte unglaublich viele Eindrücke sammeln an der Elfenbeinküste 🇨🇮, in Ghana 🇬🇭, Togo 🇹🇬 und Benin 🇧🇯.

Mein Hilfseinsatz in Benin

Hinter der umfangreichen Anreise steckt aber ein Ziel: Benin! Noch nicht viel davon gehört, oder?

Benin ist ein kleines Land mit rund 10 Millionen Einwohnern am Golf von Ghana.
Es beeindruckt mit reichhaltiger Kultur sowie Geschichte und gilt als Wiege der Voodoo Religion, der heute noch ein Großteil der Bevölkerung angehört. Auch hier finden sich – wie in den Nachbarländern – Spuren und Zeugnisse des jahrhundertelangen Sklavenhandels.

1960 von der Kolonialmacht Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen hat es das Land recht schwer und gilt immer noch als sehr arm. Ohne nennenswerte Bodenschätze und Schwerindustrie ist nach wie vor ein Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft und Verarbeitung der vorhandenen natürlichen Ressourcen abhängig. Aber die Menschen arbeiten hart und mit einer relativ stabilen politischen Lage gelingt es Schritt für Schritt die Lebenssituation zu verbessern.

Ich bin hier zu Gast bei Astrid Toda, eine wirklich bemerkenswert Frau.
Viele Jahre als Frau eines Diplomaten in der Welt unterwegs, kam die heutige Mutter 3 erwachsener Kinder in Lagos / Nigeria beruflich in Kontakt mit Straßenkindern , eine weithin prägende Zeit.

Seit vielen Jahren arbeitet sie nun vor Ort in Westafrika daran, die Situation und Zukunftschancen der Kinder nachhaltig zu verbessern – gerade in der Anfangszeit vor über 25 Jahren ohne Strom und Internet ein herausforderndes Unterfangen.
Von ihr konnte ich viel über die größeren Zusammenhänge und Hintergründe im Hinblick auf die Entwicklung (West-) Afrikas, Entwicklungshilfe und nachhaltige Unterstützung.

Klar, zwei Wochen ist keine lange Zeit, aber ich möchte so tief wie möglich vor Ort Einblicke in die Arbeit und Wirkung von Hilfsorganisationen bekommen
Ich möchte den Blog nutzen, um das Bildungswerk Westafrika und seine Aktivitäten kurz vorzustellen.

Was wird vom Bildungswerk Westafrika geleistet?

In Deutschland wurde der „Förderverein Bildungswerk Westafrika e.V.“ gegründet, um die Arbeit von Astrid in Westafrika effektiv zu unterstützen und durch Vorträge und Aktionen Aufklärungsarbeit zu leisten sowie die finanziellen Zuwendungen zu erhöhen.
Ziel ist die Förderung von Selbsthilfeprojekten im Bereich Bildung, vor allem durch den Bau von Schulen, Ausbildungszentren und Gesundheitsstationen.

Für eine Zusage von Unterstützung und finanziellen Mitteln muss die verantwortliche Gemeinde / Stadt selbst auf den Verein zukommen und den umfangreichen Antrag stellen. Es wird keine „Werbung“ gemacht und nach dem Motto „aus europäischer Sicht sollte man hier eine Schule bauen“ verfahren.

Die Stadt- und Dorfgemeinschaft muss Eigeninitiative zeigen und wirklich vom Nutzen des Projekts überzeugt sein. Zudem ist ein gewisser Eigenanteil an finanzieller Leistung und Arbeitskraft einzubringen – sonst gibt es keine Fördermittel. Das Konzept geht auf, die Nachfrage nach Unterstützung ist groß und die Dorfgemeinschaften ziehen mit den Helfern an einem Strang – zum Wohl der Kinder und der Zukunft des Landes.

So konnten bereits über 40 Schulbauprojekte in ganz Benin – teils auch in Nigeria und Niger – realisiert werden.
Hier bekommst du eine gute Übersicht der bereits realisierten Projekte.

Neben den Schulbauprojekten werden auch grundlegende Sensibilisierungen durchgeführt. Dies sind groß angelegte Kampagnen zu wichtigen gesellschaftlichen Themen wie „Alle Mädchen in die Schule“ und ganz aktuell „Kampf dem Plastikmüll„.
Darüber hinaus wurde eine Krankenstation für Frauen eröffnet, gezielt die Hilfe für behinderte Kinder organisiert und die Vermittlung von Patenschaften vereinfacht.

Wie sah meine Tätigkeit vor Ort in Benin aus?

Die insgesamt zwei Wochen vor Ort konnte ich in zwei Aufgabenfelder teilen:

Begleitung der verschiedenen Schulbauprojekte

Viele Bauprojekte laufen parallel und die Überwachung und Sicherstellung des Fortschritts muss immer gewährleistet sein.
Neben administrativen Aufgaben konnte ich Astrid und die anderen Mitarbeiter des Vereins täglich bei der Fahrt zu verschiedenen Baustellen begleiten, viel lernen über die Leitung und Vorgehensweise bei Bauprojekten. Statt Schreibtischarbeit plötzlich mittendrin.

Es ist unglaublich spannend, was es alles zu bedenken und zu tun gibt, vom ersten Spatenstich bis zur großen Eröffnungsfeier, zu der nicht selten sogar Fernsehteams anreisen.

Die aktuellen Projekte spielten sich vor allem im Großraum von Abomey-Calavi ab, wir unternahmen aber auch einen Tagestrip nach Savé weiter im Norden. Besonders bemerkenswert ist der Einsatz in sehr ländlichen, teils schwer zugänglichen Regionen. Über einfache „Feldwege“ geht es abseits der großen Straßen in den Busch, zu abgeschnittenen Dörfern ohne Strom und fließendes Wasser.

Es berührt ungemein, wie glücklich und dankbar die Dorfbewohner wegen des Schulbaus für sie und ihre Kinder sind.

Unterstützung des Deutschunterrichts an einer Schule

Ja, in Benin lernt man auch Deutsch!

Neben ihrem lokalen Dialekt lernen die Kinder schnell Französisch, immer noch die Verwaltungssprache. Schon in jungen Jahren kommt in der Schule Englisch dazu. Darüber hinaus gibt es in höheren Klassenstufen die Möglichkeit, eine weitere Sprache hinzuzunehmen. Das ist vielfach Deutsch oder Spanisch.

So hatte ich die einmalige Möglichkeit, den Schulunterricht in Westafrika live mitzuerleben, gleichzeitig aus der Perspektive eines Schülers und eines Lehrers. Als „Experte“ für das Aussprechen deutscher Wörter, Vorlesen von Texten und Erklärungen aus der Praxis (sagt man jetzt eher „Großmutter“ oder einfach „Oma“ in Deutschland?) war ich ein gern gesehener Gast.

Wie sieht ein altes Schulgebäude aus?

Es ist unglaublich spannend, den Unterricht zu besuchen, weil so viel so anders ist als wir es kennen – und stimmt zum Nachdenken an. Die älteren Schulgebäude bestehen aus Pfählen mit Wellblechdach, oft mit einer Wand aus Bast oder ähnlichem. Die Wand ist maximal als Sichtschutz zu sehen, aber wenn die Nachbarklasse mit 30 Kindern gerade lauthals Lieder schmettert, ist von den Worten des eigenen Lehrers nicht mehr viel zu hören.

Der Boden ist offen, also die normale Erde wie draußen auf der Wiese. Darauf stehen die einfachen hölzernen Bänke und Tische. „Der Einsatz moderner Medien“ findet nicht statt, Tafel und Kreide sind das modernste, was es zum Unterricht gibt. Langes Anschreiben von Texten kostet wertvolle Zeit.

Falls es Fenster gibt, haben sie keine Scheiben. Zu teuer, und wer zahlt, wenn etwas kaputt geht? So schauen andere Kinder auch gerne mal durchs Fenster gelehnt zu. Manchmal kreuzen Vögel von links nach rechts durch die „Fenster“ das Klassenzimmer, Hühner waren auch mal zu Besuch.

Da es keinen Strom gibt, kann man die Wände nicht komplett zu bauen – zu dunkel. Der Unterricht geht offiziell bis 19 Uhr, ich habe aber vielfach den Abbruch spätestens 18:30 Uhr erlebt, da es zu dunkel im Raum ist, um von der Tafel noch etwas abzuschreiben.

Die mit der Unterstützung des Bildungswerks gebauten Schulgebäude hingegen sind für die sichere, langfristige Nutzung konzipiert. Ein tiefes, solides, mit Eisenankern bewehrtes Betonfundament gibt Stabilität, gemauerte Wände schützen vor Lärm und Wärme, die Dachkonstruktion ist von fähigen Zimmerleuten angelegt.

Besondere Erlebnisse waren das Verteilen von „Schultüten“ für Schüler der ersten und zweiten Klasse. Über 1.500 dieser Taschen haben wir mit Stiften, Tafeln, Heften etc. ausgestattet – nicht jedes Schulkind in Benin hat Zugang zu dieser Ausrüstung. Die

Finanzierung der Aktion fand in Europa statt, bemerkenswert ist aber, dass nicht einfach Taschen in z. B. Frankreich gekauft wurden, sondern die Taschen vor Ort von Frauen in Benin hergestellt wurden. Das ist nachhaltige Entwicklungshilfe, die somit nicht nur den Kindern, sondern auch den lokalen Nähbetrieben zu Gute kommt.

Wie in diesem Beispiel würde es generell helfen, Hilfsgüter für Afrika auch in Afrika zu kaufen und nicht von der westlichen Welt dorthin zu schiffen.

Und nun?

Ich habe in Westafrika unglaublich viel sehen und erleben dürfen, unvergessliche und prägende Eindrücke gesammelt.
Nachhaltig sehr beeindruckt bin ich vom Wirken des Bildungswerks und besonders dem Engagement von Astrid.
Die Kernaussage ist: Entwicklungsprogramme können nur anhaltend greifen, wenn eine Grundbildung gegeben ist.

Natürlich ist der Verein auf Spenden angewiesen.

Oftmals fragt man sich, ob das Geld wirklich ankommt und eine nachhaltige Wirkung hat. Hier kann ich es mit der eigenen Erfahrung bestätigen. Das Geld kommt an, es laufen aktuell viele Schulbau-Projekte in ganz Benin. Und unter dem Stichwort „Entwicklungshilfe“ gibt es wenig was so eine große Wirkung hat wie die nachhaltige und breit aufgestellte Bildung der Menschen.

Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt, sodass du natürlich auch eine Spendenquittung erhalten kannst.
Informiere dich gerne umfassend auf der offiziellen Website.

Unterstütze auch du Astrid und das Bildungswerk Westafrika!

Astrid und das ganze Team sagen ganz herzlich DANKE!

Astrid und das Team

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