Rocinha – Tour in der größten Favela von Rio de Janeiro

Eine Städtereise nach Rio de Janeiro: Du denkst an den Zuckerhut, die Copacabana, Sambatänzerinnen und Caipirinha an einem der berühmten Strände. Die „Cidade Maravilhosa„, wie sie liebevoll genannt wird, hat viele schillernde Facetten. Eine dieser Facetten von Rio – wenn auch weniger schillernd – sind aber auch die rund 750 Favelas in den Hügeln, geprägt von Armut und teils auch von Kriminalität. Komm mit nach Rocinha, der größten Favela von Rio de Janeiro

Was lernst du in diesem Artikel?

Slum Tourismus: Lehrreich oder verwerflich?

Zunächst einmal muss man sich die Frage stellen, ob man diese Art von Touren – „Slum Safaris„, Armuts-Tourismus oder wie auch immer bezeichnet – unterstützen möchte oder nicht.

Die „Shanty Towns“ oder „Townships“ im südlichen Afrika, „Compounds“ im mittleren Osten, „Slums“ in Indien, „Tondos“ auf den Philippinen, Siedlungen auf den „Jetties“ in Penang und eben die „Favelas“ in Rio de Janeiro. Jede Region hat ihre eigene Bezeichnung für Gebiete einer Stadt, in der die meisten Menschen unter der Armutsgrenze leben, teils ohne grundlegende Infrastruktur was fließendes Wasser und Strom betrifft.

Contra: Slum Tourismus steht nicht zu Unrecht in der Kritik. Es wird als Art von Entertainment bezeichnet, das man sich in Ruhe anschauen kann und dann einfach wieder in seine „wohlhabende“ Realität zurückkehrt. Man betrachtet die Armut, um sich besser zu fühlen.

Auch die aktuelle Sicherheitslage spielt natürlich eine wichtige Rolle: Favelas oder andere Slums mögen ja offiziell als „befriedet“ gelten, das macht sie aber noch lange nicht frei von Kriminalität.

Pro: Ich persönlich sehe die Touren positiv, solange sie nicht in irgendeiner Form inszeniert sind.

Oft werden die Touren von aktuellen oder ehemaligen Bewohnern der Viertel als Guides durchgeführt, die sich zum einen entsprechend gut auskennen, zum anderen auch bei der Bevölkerung bekannt sind und Respekt genießen. Einen positiven Nebeneffekt gibt es, wenn ein (Groß-) Teil der Tour-Einnahmen der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt und du sie somit unterstützt. Sie bieten darüber hinaus lokalen Handwerkern die Möglichkeit, Souvenirs zu verkaufen und Einnahmen zu generieren.

Favela Touren helfen bei der Selbstreflexion

Gerade bei Städtereisen wie Rio de Janeiro ist es wichtig für mich, einen Blick hinter die Hochglanz-Touristen-Fassade von Copacabana und Zuckerhut werfen zu können. Zu verstehen, wie ein Großteil der Menschen in der Stadt wirklich leben und dass Rio eben nicht nur Karneval und Caipirinha bedeutet. Es hilft immens, seine eigene Situation zu reflektieren und Dankbarkeit für das aufzubauen, was man hat.

Wir dürfen nicht vergessen, wie privilegiert wir sind, dass wir es uns überhaupt leisten können, ein Ticket zu kaufen und nach Rio zu fliegen. Ein Großteil der Weltbevölkerung wird sich das nie leisten können.

 

Rio de Janeiro Sehenswürdigkeiten: Panoramablick auf Rocinha

Ist eine Rocinha Favela Tour gefährlich?

Rund 200 Favelas in Rio de Janeiro gelten als befriedet und von der Polizei kontrolliert – darunter auch Rocinha.

Aber: Copacabana und Ipanema sind berühmte Touristenhochburgen und wichtige Einnahmequellen. Trotzdem kommt es sogar hier regelmäßig zu bewaffneten Übergriffen. Und eben das kann dir auch in der Favela passieren. Das klassische zur falschen Zeit am falschen Ort.

Ein Bekannter von mir lebt schon seit Jahren in Rio und war aus diesem Grund noch nie in einer Favela. Und wird auch freiwillig nie eine betreten, egal wie viele Touren für Touristen aus aller Welt angeboten werden.

Aus meiner Sicht ist es essentiell, die Bewohner mit dem nötigen Respekt zu behandeln und grundlegende Sicherheitsregeln zu beachten: Das heißt für mich:

  • Kein unnötiges zur Schau tragen von Reichtum: Markenkleidung, Schmuck, pompöse Technik wie neueste Smartphones oder riesige Spiegelreflex Kameras
  • Vorher fragen, bevor man Fotos mit Bewohnern macht
  • Achtung von Privatsphäre: Nicht in alle Hinterhöfe und Türen schauen, auf der Suche nach dem Schnappschuss
  • … und falls man tatsächlich überfallen wird: Die Räuber haben in der Regeln nichts zu verlieren, also spiel bloß nicht den Helden!
  • Für solche Fälle solltest du eine mittlere Summe griffbereit in der Hosentasche haben, große Scheine und wichtige Dokumente sicher in einer Bauchtasche.

Rio de Janeiro Städtereise: Tauch ein in die Favela Rocinha

Wo Rocinha überhaupt liegt, siehst du auf der JOURNIICATION BIG5 Übersichtskarte für Rio de Janeiro:

Ich empfehle die Tour durch Rocinha auch in meinem Artikel Rio de Janeiro Sehenswürdigkeiten für zwei Tage.

 

Favelas sind im Stadtbild von Rio allgegenwärtig und untrennbar mit der Cidade Maravilhosa verbunden. Sie sind für mich Gefahr und Faszination zugleich und üben so eine gewisse Anziehungskraft aus. „When in Rome…“ ehhh Rio. Einmal eine Favela besuchen, das wollte ich unbedingt machen.

Ein anderes Erlebnis hatte ich auf einer Reise in Südafrika: In einer Unterkunft liefen auf dem Fernseher in der Ecke touristische Angebote in Endlosschleife: Rafting Tour, Bungee Springen, Stadtführung – und eine Tour durch die Townships. Weißes junges Pärchen geht auf „Safari“ in die Townships, werden überall freundlich empfangen, schon von spielenden Kindern erwartet, für die sie – natürlich – kleine Süßigkeiten mitgebracht haben. Später werden sie dann noch spontan zum Essen eingeladen. Heile Welt, wo ist das Problem?

Ja ich weiß, es war nur ein Werbevideo. Aber es war derart Klischee behaftet und wirkte so inszeniert, dass ich mich in diesem Fall klar gegen die Tour entschieden haben. Nicht aber in Rio.

Rio de Janeiro Sehenswürdigkeiten: Kommst du mit nach Rocinha?

Was du vor deiner Tour durch eine Favela von Rio beachten solltest

FAVELA – für mich für mich Gefahr und Faszination zugleich.

Die Armenviertel Rio de Janeiros „wachsen“ meist an den Hügel hinauf. Von einer brasilianischen Kletterpflanze kommt daher auch der Name.

Die Viertel gelten als gefährliche Orte und haben in der allgemeinen Wahrnehmung einen schlechten Ruf.
Das stimmt so nicht für alle. Von den über 750 Favelas Rios gelten nur 200 als „befriedet“, werden also von Militär oder Polizei kontrolliert. Diese Aktivitäten und vor allem die Präsenz wurden besonders vor der Fußball Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 spürbar erhöht.

 

 

Gehe aber auf keinen Fall alleine auf Entdeckungstour in einer Favela. Während meiner Aufenthalte in Rio habe ich Geschichten von Leuten gehört, die „aus Versehen“ in die falschen Straßenzüge nicht befriedeter Favelas geraten sind. Fremde Personen im Viertel könnten potentiell Spitzel der Polizei sein. Lebensgefahr!

Also, investiere in einen ortskundigen Guide. Er ist oft jemand, der aus dem entsprechenden Viertel stammt und bei den Anwohnern akzeptiert ist. Für die Tour durch Rocinha – die größte Favela Rios und vielleicht sogar ganz Südamerikas – kann ich dir persönlich diese Tour empfehlen, an der ich auch selbst teilgenommen habe:

Warum wollte ich unbedingt in nach Rocinha und was sieht man?

Beim Reisen ist es mir sehr wichtig, abseits der normalen Touristenpfade durch ein lokales Viertel zu laufen und damit die Möglichkeit zu bekommen, einen Blick hinter die Kulissen der großen Sehenswürdigkeiten und der heilen Touristenwelt zu werfen. HIer leben die Einheimischen, die sich nicht auf den Tourismus fokussieren und in irgendeiner Weise Inszenierungen durchführen. Hier ist alles „echt“.

Die Tour durch die Favela hat mich wirklich sehr beeindruckt. Dich erwarten Einblicke in das Alltagsleben vieler „Cariocas“, den Einwohnern Rios. In gewissem Rahmen hilft es auch zu verstehen, was sie bewegt und erklärt – zumindest zum Teil – ihr Handeln. Viele heutige Bewohner der Favelas mussten aufgrund von Schicksalsschlägen oder schwierigen Lebensumständen in die ärmeren Viertel umziehen. Nur manche leben schon seit Generationen hier und bauen die kleinen Häuser immer weiter aus, Stockwerk für Stockwerk. Um Geld zu sparen wird in die Höhe gebaut, jeder Quadratmeter Boden ist teuer. Offizielle Baugenehmigung? Wo denkst du hin!

Oft können die Menschen kaum auf Unterstützung hoffen, denn je nach aktueller Priorisierung der Regierung oder Stadtverwaltung bzw. auch dem gerade vorhandenen Geld wird wenig bis nichts in den Ausbau von wichtiger Infrastruktur investiert. Die Bewohner hier sind oft sich selbst überlassen, was Kriminalität und die Kontrolle durch Banden und Kartellen begünstigt. Oft sind Arbeitslosigkeit, Drogen- und Alkoholmissbrauch große Probleme.

Die Infrastruktur mit Strom-, Wasser- und Internetversorgung ist in vielen Gegenden nicht ausreichend ausgebaut – oder gar nicht erst vorhanden. Oft werden Leitungen illegal angezapft und sich so Strom von jemand anderem „geliehen“ – abgesprochen oder nicht. Die Post wird an „Sammelstellen“ geliefert und von dort aus von Ortskundigen weitergegeben. Viele Bewohner haben keine eigene Adresse für Pakete oder Briefe.
In den oftmals steilen Hügeln sind alte Kleinbusse oder oft einfach „Mototaxis“ – also Motorräder, die einen auf dem Sozius mitnehmen – die Haupttransportmittel. 

Was ist mein Fazit?

In der Favela geht es sehr lebhaft zu, was bei der Einwohnerzahl pro Fläche nicht wirklich überrascht. Leute wuseln durch die Straßen, volle Geschäfte, hämmernde Reggaeton Bässe aus großen Boxen. Die Kinder spielen Fußball in den Straßen oder den kleinen Sportplätzen. Der Großteil der Bevölkerung versucht das Leben so normal wie möglich zu gestalten, ob die Favela als friedlich gilt oder nicht.

Was bleibt ihnen auch anderes übrig.

Copacabana und Cocktails schlürfen unter der Christusstatue? Nein, das hier ist ein anderes Rio. Ein Rio, das man erlebt haben sollte.
Aber was erzähle ich, überzeuge dich am Besten selbst!

 

 

Ich persönlich kann die Tour durch Rocinha nur empfehlen, für mich war es sehr spannend und lehrreich!

 

Du unternimmst eine Städtereise nach Rio de Janeiro? Dann empfehle ich dir die folgenden Artikel zur Vereinfachung deiner Planung:

 

Viel Spaß, eine gute Reise & stay safe! 🇧🇷

 

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