Meine BIG5 Westafrika-Augenöffner für den Alltag

Meine Westafrika-Augenöffner: 4 Wochen Abenteuerreise in der Region – 2 Wochen Backpacking entlang der Elfenbeinküste, durch Ghana, Togo und Benin. Anschließend 2 Wochen Hilfseinsatz. 900 Kilometer von Abidjan / Elfenbeinküste bis zum Ziel in Abomey-Calavi. Eine beeindruckende Reise, die nicht nur im Fotoalbum einen bleibenden Eindruck hinterlässt, sondern auch eine große Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung spielt.

Ich schreibe diese Zeilen aus der Perspektive eines Westeuropäers der Mittelschicht.

Hier liest du, was ich in Westafrika gelernt habe. Diese Erfahrungen möchte ich in meinen Alltag mitnehmen und mir so oft wie möglich in Erinnerung rufen.

Meine BIG5 Westafrika-Augenöffner für den Alltag

Hör auf zu jammern!

… und mache dir bewusst, wie gut es uns geht!

Trotzdem sind wir nicht selten im Alltag schlecht gelaunt: Die Parkplatzsuche hat wieder etwas länger gedauert, die Lieblingspizza war ausverkauft (Unverschämtheit!) und die Starbucks-Aktie ist heute um ganze 3,7% gefallen! Ja wenn das keine Gründe sind, um zu jammern und unzufrieden zu sein!

Und weißt du was? Genau diese Person könnte ich sein. Lauthals am jammern über die klassischen „First World Problems„, eben das, was wir in unserer reichen Welt als „Probleme“ ansehen.

Aber stopp! Uns geht es extrem gut: Wir haben alles, was man zum Leben braucht – und meist noch unendlich viel darüber hinaus.
Wir haben Strom – immer! Es gibt keine Unterbrechungen, auf die man sich einstellen muss. Stromausfälle sind äußerst selten. Vielerorts gibt es Wifi, oft sogar kostenlos. Alle haben fließendes Wasser – immer. Toilette und Dusche bequem im Haus. Du hast einen eigenen Platz in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine gute Infrastruktur bei Straßen und Gebäuden. Eine Krankenversicherung. Ein Sozial-System, das dich auffängt.

Moment, Wasser, Dusche? Ist doch alles Standard! Eben nicht! Gerade wenn man mit Couchsurfing in Westafrika unterwegs ist, kommt man in Kontakt mit vielen Einheimischen, die teilweise in einfachsten Verhältnissen leben. Du fährst durch Dörfer ohne Strom und fließendes Wasser – teilweise auch in meinen Übernachtungsmöglichkeiten. Erlebst vieles, was so grundlegend anders ist. Mein Host in Lomé war Straßenverkäufer von Kleidung mit ein paar Quadratmeter Hauptstraße als Verkaufsfläche. Mit einer Knieverletzung konnte er wochenlang nicht arbeiten. „Lohnfortzahlung“? Versicherung? Nada.

Wir leben im Luxus, vergiss das nicht – und hör auf zu jammern über „Wichtigkeiten„, die im großen Kontext bewertet plötzlich zu Kleinigkeiten werden!

 

 

Westafrika-Augenöffner: Übe dich in Geduld und sei flexibel

Lange und dichte Verkehrsstaus kennen wir auch. Verstopfte Straßen, nichts geht mehr. Auch das ist in vielen westafrikanischen Metropolen Standard, vor allem zur Rush Hour. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn kilometerweit vor dem Ziel Fahrgäste von Bussen oder Taxis plötzlich aussteigen und zu Fuß weitergehen, weil man so vielleicht schneller am Ziel ankommt.

Auch bei vielen öffentlichen Verkehrsmitteln solltest du viel Geduld mitbringen, und zwar schon VOR der Abfahrt: Es geht erst los, wenn das Vehikel bis auf den letzten Platz (und nicht selten darüber hinaus) besetzt ist. Das ist extrem ärgerlich, wenn man sowieso in Eile ist und keine Zeit verlieren möchte. Ein Klassiker in Westafrika, aber mir auch bekannt aus Nairobi und anderen Städte im Osten. Das mag kein Problem sein in der Rush Hour: Schnell haben sich für alle erdenklichen Ziele viele Fahrgäste im Bus gesammelt und es geht los. Außerhalb der Stoßzeiten kann das aber beliebig lange dauern.

Ich hatte ein solches Erlebnis in Elubo / Ghana. Direkt nach dem Grenzübertritt aus der Elfenbeinküste sollte es weitergehen, ich hatte noch viel vor an diesem Tag und wollte das rund 4 Stunden entfernte Cape Coast schnellstmöglich erreichen – eine lange Liste von Punkten zum Anschauen. Doch nach Mittag war die Rush Hour mit Grenzgängern bereits vorbei – und im Bus 12 Plätze zu füllen. Ich habe jede Person, die die Busstation betrat so hoffnungsvoll angeschaut – eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden. Nach Einbruch der Dunkelheit und rund 4 Stunden warten hatten sich zwar immer noch keine 12 Fahrgäste am Bus eingefunden, aber immerhin genug zum Aufbrechen. Ankunft in Cape Coast: Gegen 23:30 Uhr. Sightseeing? Für heute abgesagt…

Die Deutsche Bahn ist nicht gerade berühmt für ihre Pünktlichkeit. Für die meisten Transportmittel in Afrika gibt es allerdings erst gar nicht etwas wie einen Fahrplan. Es kann länger dauern. Viel länger. Sei auf so etwas vorbereitet, auch zuhause im Alltag. Nutze die Zeit sinnvoll: Ein gutes Buch, eine Unterhaltung mit den anderen Wartenden – oder einfach mal die Augen schließen und entspannen. Es kann einfach nicht alles geplant werden und läuft manchmal ganz anders als angenommen. Egal, wie wütend du bist oder dich aufregst – oft kann man nichts anderes tun als geduldig warten. Und das können die Afrikaner definitiv besser als wir – auch ohne Smartphone-Spiele und TikTok App.

Also, übe dich in Geduld und plane nicht zu viel, im Zweifel kommt alles anders.

 

 

Jeder Mensch strebt nach Verbesserung, egal auf welchem Niveau

Bei der Erwähnung von Westafrika wandern die Gedanken zu armen Ländern und hungernden Menschen. Aber das ist nicht pauschal so, es gibt große Unterschiede. Auch hier ist die Schere zwischen Arm und Reich ist weeeit offen. Der dunkle Benz fährt in den Straßen von Accra am Bettler vorbei.

Es ist interessant zu beobachten: Überall auf der Welt streben Menschen nach Verbesserung. Wollen sich schrittweise den Alltag erleichtern, zum positiven verändern. Das beginnt für viele schon beim Organisieren der nächsten Mahlzeit, nicht für sich selbst, sondern die Kinder.

Einigen ist dabei leicht zu helfen, anderen schwerer. Auch wir streben in irgendeiner Form nach Verbesserung – jeden Tag, auf unserem hohen Niveau.

Trage deinen Teil dazu bei, bei dieser Verbesserung aktiv zu unterstützen.

 

 

So kann man Entwicklungsländern nachhaltig helfen

Vor Ort in Westafrika und Mitarbeiter bei einer gemeinnützigen Organisation kommt natürlich die Frage auf, wie man armen Regionen wirklich nachhaltig helfen kann. Dazu habe ich folgende zwei Punkte als wesentlich mitgenommen:

Verbesserung von Bildungsangeboten & -Infrastruktur

Entscheidend ist es, die Bildung und die zugehörige Infrastruktur zu verbessern. Über viele Jahre, besonders unter den weißen Kolonialherren, wurden die Menschen bewusst „dumm“ gehalten – nicht nur in Westafrika. Man war nicht interessiert an einer gebildeten Bevölkerung, getreu dem Motto „Wissen ist Macht„. Heute können viele Probleme durch eine höhere Bildung nachhaltig verbessert werden: Arbeitslosigkeit oder die Eindämmung von Infektions- und Geschlechtskrankheiten.

Besonders die vielen Kinder werden immer mehr zu einer großen Herausforderung: Im Gegensatz zu den westlichen Gesellschaften werden sie in Afrika immer jünger. Die vielen Kinder sind die Konsequenz aus mangelnder Aufklärung zu Verhütung und / oder alten Denkmustern, wie dass viele Kinder eine lebenslange Versorgung sicherstellen. Gerade deshalb ist der Bau von Schulen und Ausbau von Bildungsangeboten so wichtig, aber teils mit dieser Anzahl nicht händelbar.

Ich selbst habe während meiner Zeit in Benin Vertreter des Bildungswerks Westafrika begleitet und unterstützt, die mit dem Bau von Schulen in allen Teilen des Landes immens wichtige und erfolgreiche Arbeit leisten. Weitere Informationen zum Bildungswerk findest du auf der offiziellen Website.

 

 

Kauf von lokalen Produkten – auch in der Entwicklungshilfe

Ein zweiter essentieller Punkt ist der Kauf von lokalen Produkten. Selbst Hilfsorganisation gestalten die Dinge oft suboptimal, in dem viele Hilfsgüter wie Lebensmittel oder Material in Europa oder anderen westlichen Ländern gekauft werden. Klar ist primär die Versorgung der notleidenden Menschen das Ziel. Aber auf dem Weg dorthin könnten noch weitere Menschen massiv davon profitieren.

Sowohl in West- als auch in Ostafrika habe ich riesige fruchtbare Landstreifen gesehen. Falls es zu einer Hungersnot in Westafrika kommt, sollten dann wenn möglich Güter aus dem Osten Afrikas gekauft werden, deren Verkaufserlöse den Menschen dort zugute kommen. Hilfsgüter sollten wenn möglich von lokalen Unternehmen gekauft statt aus Europa eingeflogen zu werden.

Auf diese Weise kann von einer Spende doppelt geholfen werden: Dem lokalen Produzenten und dem Empfänger.

 

 

Bildungsangebote & die entsprechende Infrastruktur verbessern und auf den Kauf lokaler Produkte bei Entwicklungshilfe achten

Westafrika-Augenöffner: Sei dankbar für deine Gesundheit und erhalte sie

Ich habe in Westafrika Dörfer ohne Strom und fließendes Wasser besucht, die Menschen dort waren zufrieden mit dem was sie hatten und sehr motiviert, beim Bau eines neuen Schulgebäudes zu unterstützen. Man braucht offensichtlich nicht viel, um zufrieden zu sein – solange man gesund ist.

Denn eines sucht man in solch abgelegenen Dörfern vergebens: Eine gute medizinische Infrastruktur. Eine Krankenversicherung hat dort keiner. Und wenn etwas gebraucht wird, wird schnell das Geld knapp. Ich selbst hatte in Afrika eine Infektion. Sofort ist man eingeschränkt, der tägliche Weg ins Krankenhaus lang und beschwerlich. Behandlung und Medikamente gibt es nur gegen Bargeld. Und selbst die besseren Krankenhäuser sind fernab von unserem Standard.

Wenn hier jemand ernsthaft krank wird, kann es schnell kritisch werden und so tut jeder, was er kann, um das zu vermeiden. Ständig melden sich latent Fragen im Hinterkopf wie „Habe ich genug Insektenspray aufgetragen?“ im Hinterkopf. Jedes leise Summen am Ohr stellt eine potentielle Gefahr dar, Malaria und Dengue Fieber lassen grüßen.

In westlichen Ländern bewegen uns auf einem höheren Niveau des Gesundheitssystems, sind versichert und haben Zugang zu Medikamenten und Ärzten. Aber trotzdem:

Sei dankbar für deine Gesundheit und versuche sie bestmöglich zu erhalten. Jeden Tag.

 

 

Nochmal zusammengefasst meine BIG5 Westafrika-Augenöffner zum Verinnerlichen für den Alltag:

  • Wir leben im Luxus, vergiss das nicht
  • Übe dich in Geduld und plane nicht zu viel, im Zweifel kommt alles anders
  • Trage deinen Teil dazu bei, die Verbesserung anderer aktiv zu unterstützen
  • Bildungsangebote & die entsprechende Infrastruktur verbessern und auf den Kauf lokaler Produkte bei Entwicklungshilfe achten
  • Sei dankbar für deine Gesundheit und versuche sie bestmöglich zu erhalten

 

Klar, diese Punkte lernt man nicht nur in Westafrika, sondern an vielen verschiedenen Orten auf der Welt. Wichtig ist, dass du diese Erfahrung machst und die „Westafrika-Augenöffner“ als bleibendes Souvenir mit nach Hause nimmst.

Backpacking Westafrika Elfenbeinküste Ghana Togo Benin Route Tipps: Die Fischer von Grand Popo im Sonnenuntergang

Du möchtest mehr über meine Backpacking Reise in Westafrika lesen? Schau doch mal hier vorbei:

 

Hast du auch solche oder ähnliche Erlebnisse auf Reisen gehabt? Ich bin auf deinen Kommentar gespannt!

 

Westafrika - Meine BIG5 Augenöffner & was ich gelernt habe beim Backpacking an der Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Benin

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