Besteigung Kilimandscharo: Mein Erfahrungsbericht 1/2

Die Besteigung des Kilimandscharo, des höchsten Bergs Afrikas, steht schon lange auf meiner persönlichen Bucketlist. Es wird Zeit das große Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wie läuft die Wanderung auf den einzelnen Etappen ab? Wie fühlt man sich dabei? Was gibt es zu beachten? All das liest du im folgenden Artikel, viel Spaß!

Was lernst du in diesem Artikel?

Besteigung Kilimandscharo: Mein Erfahrungsbericht 1/2

„It’s not the mountain we conquer – but ourselves!“ – Edmund Hillary

Das Zitat von Mount Everest – Erstbesteiger Hillary bringt es auf den Punkt: Die Reise zum Gipfel des Kilimandscharo ist gut geeignet zum Nachdenken und Selbst-Reflektion. Die Zeit ohne Ablenkung durch Technik und alternative Aktivitäten ist lang, man ist früh im Schlafsack, das Wandern hat einen meditativen Charakter.

Alles was du zur Vorbereitung der Reise brauchst liest du in meinem Artikel „Kilimandscharo Besteigung: Die optimale Vorbereitung„.

Los geht’s in ein großes Abenteuer, die Kilimandscharo Besteigung!

Besteigung Kilimandscharo: Die Anreise & Zusammentreffen der Reisegruppe

Nach Wochen mit umfangreicher Vorbereitung und großen Shoppingtouren wird es ernst:
Nach einer abenteuerlichen statt erholsamen Anreise über Äthiopien und Nairobi rumpelt der vollbesetzte Kleinbus Richtung Namanga, dem Grenzübergang zwischen Kenia und Tansania…

Mein Gepäck liegt wie das aller Fahrgäste auf dem Dach. Und darüber bin ich im Grunde froh, denn das heißt auch: Es ist grundsätzlich noch da! Eines meiner Horrorszenarien war während der letzten Wochen, dass etwas auf der Anreise mit dem Gepäck schief geht und mein mühsam und kostspielig zusammengeshoppter Ausrüstungs-Schatz beim Tourstart nicht zur Verfügung steht.

 

Nach dem Umsteigen in Arusha und insgesamt rund 7 Stunden Fahrt zeichnen sich auf den letzten Kilometern bei Moshi schon die Umrisse des Berges am Horizont ab, die ersten Blicke auf den Kilimandscharo.

Die Ankunft in der „Stella Maris Lodge“ bringt viel Spannung: Wer sind die anderen in der Reisegruppe? Nett? Alles vor Kondition strotzende Extremsportler? Immerhin werden wir 7 Tage zusammen auf dem Berg verbringen und die Zusammensetzung der Gruppe wird einen großen Teil des Erlebnisses ausmachen.

Die erste Besprechung mit der Gruppe am frühen Abend bringt Gewissheit – und Erleichterung:
Bei der Vorstellungsrunde wird schnell deutlich: Es sind keine Extrembergsteiger und Hochleistungssportler, sogar einige sind dabei, die sich mit „wenig bis gar keine (Berg-) Wander-Erfahrung“ outen.

Wir lernen unseren CEOChief Experience OfficerGibson kennen und besprechen ausführlich die Route und wie die folgenden Tage ablaufen werden. Wir werden die Machame Route zum Gipfel nehmen. Eine gute Übersicht aller verschiedenen Routen bietet aufsafari.de.

Es bleibt zu klären: Wer muss welche Ausrüstungsgegenstände leihen? Und – die erste wichtige Entscheidung der Unternehmung wird gefällt: Trotz eines stattlichen Aufpreises entscheidet sich die Gruppe zwei Camping-Toiletten mitzunehmen! Eines vorweg: Extrem gut investiertes Geld!

Der Abend verläuft in gespannter Erwartung. Es gibt Abendessen, dann es heißt Sachen aussortieren, nur das Wichtigste packen.
Es heißt aber auch: Das letzte Mal eine warme Dusche – bzw. das letzte Mal überhaupt eine Dusche. Und das letzte Mal ein gemütliches Bett… Gute Nacht!

Erkenntnis des Tages

Ich bin extrem glücklich und dankbar, dass ich es gesund und mit vollständigem Gepäck hierher geschafft habe und es morgen wirklich losgeht. Seit der Reisebuchung bis zu diesem Moment hätte soooo viel schief gehen können…

Ausblick aus der Lodge zum Kilimandscharo

Ausblick aus der Lodge zum Kilimandscharo

Besteigung Kilimandscharo Tag 1: Moshi – Machame Gate – Machame Camp

Start: 800 Meter; Ziel: Machame Camp auf 2.835 Metern

Hinein in den Nationalpark – hinein ins Abenteuer

Wie es sich wohl anfühlt, die nächsten Tage nicht in so einem weichen Bett aufzuwachen? Ich werde es bald erleben.
Bevor es losgeht steht ein wichtiges „Ritual“ auf dem Programm: Das Wiegen des Gepäcks! Neuer Regularien schützen die Träger vor Überlastung. Daher sind nur noch 15kg Gepäck pro Wanderer im großen Rucksack erlaubt. Meiner liegt leicht drüber und ich muss noch ein paar Sachen zurücklassen…

Bevor wir zum Machame Gate aufbrechen geht es noch zur großen Shoppingtour nach Moshi, um am ATM die Bargeld-Reserven ausreichend aufzufüllen (-> vor allem für das Trinkgeld an das Team, ATMs sucht man auf dem Berg natürlich vergebens) und im Supermarkt die letzten fehlenden Ausrüstungsgegenstände zu erwerben. Besonders beliebt sind stabile Müllsäcke (zum sicheren Regenschutz des großen Rucksacks, den die Träger tagsüber übernehmen) und Thermosflaschen (wer noch keine hat, Plastikflaschen sind im Nationalpark verboten). Ich gönne mir zusätzlich noch einen günstigen lokalen Brandy, den ich als „Gipfelschnaps“ in meinen Flachmann fülle.

Ansonsten bekommen wir nur wenig von Moshi zu sehen. Am Straßenrand stehen tolle, fliederfarbene Bäume, die nicht ganz in mein Bild des trockenen Afrika passen wollen. Eine weitere farbliche Auffälligkeit sind die tansanischen Polizisten in ihren blütenweißen Uniformen. Der Minibus bringt uns immer weiter den Berg hinauf Richtung Nationalpark, vorbei an kleinen Dörfern, Palmenplantagen, reichhaltiger Vegetation – und das Wetter ist einfach herrlich. Daumen drücken, dass das so bleibt.

Am Machame Gate durchlaufen wir die Check-In Routine, registrieren uns bei den offiziellen Stellen des Nationalparks. Zum Mittagessen gibt es für alle eine ordentliche Portion Pasta mit Bolognese, wie früher vor wichtigen Fußballspielen, damit der Junge auch ordentlich Kraft hat. Alle posieren am Machame Gate und dem Hinweisschild des Kilimanjaro Nationalpark, auf dem die Entfernungen zu den einzelnen Etappenzielen der Route aufgeführt sind. Das große Ziel, der Uhuru Peak ist hier mit 40 Kilometern angegeben. Bei einer Bergtour dachte ich immer an steile Aufstiege von wenigen Stunden, kaum zu glauben, dass wir hier 5 Tage und 40 Kilometer für die Strecke brauchen.

Und dann geht es wirklich los, durch das Tor und vorbei am „Wishing you a nice climb“ Schild, los in den Regenwald an den Hängen des Kilimandscharo.Auf dem Marsch durch den Regenwald kommt es zu den ersten Gespräche mit der Gruppe, man lernt sich kennen.Was machst du so? Wo kommst du her? Man tastet sich so langsam vor.

 

Die Wanderung führt uns 11 Kilometer durch dichten Wald, der Pfad ist anfangs breit und wird immer schmaler, je höher wir steigen. Wer etwas Glück hat kann Vögel und Affen beobachten. Es ist meist recht warm, zieh dich also für die erste Etappe nicht allzu dick an, bzw. bleibt flexibel. Da wir auf einem Grat hinaufwandern, ergeben sich auf den letzten Kilometern links und rechts durch die Bäume tolle Ausblicke auf die umliegende Landschaft.

Besteigung Kilimandscharo: Ankunft im Machame Camp

Nach einem spannenden Aufstieg erreichen wir das Machame Camp auf 2.835 Metern.

Natürlich ist etwas Zeit für ein erstes stolzes Gruppenfoto am Schild.
Das Shira Camp, Ziel für den morgigen Tag, ist mit 5 Kilometern Strecke und 6 Stunden Wanderung angegeben. Das klingt machbar. Zum Uhuru Peak sind es jetzt noch 30km bzw. 27 Stunden.

Im Machame Camp führen wir auch die erste Registrierung durch. Im Nationalpark ist man auf Sicherheit bedacht, jeder muss sich nach jeder Etappe registrieren und damit die Ankunft bestätigen.

Wir gehen zum Zeltbereich unserer Tour und staunen nicht schlecht: Die vorauslaufenden Träger haben bereits alle Zelte aufgebaut und das Camp hergerichtet. Es gibt kleine Zwei-Mann-Zelte für die Wanderer, ein großes Zelt mit Tischen und Campingstühlen für die Mahlzeiten, ein Küchenzelt und weiteren Zelten für die Träger. Wirklich beeindruckend.

Schnell wird klar, dass ich den richtigen Touranbieter ausgewählt habe: Unserer Gruppe von G-Adventures bereitet uns einen feierlichen Empfang: Die Träger tanzen, singen Lieder – This is Africa!
Das bekannte Lied „Kilimanjaro – Hakuna Matata“ werden wir noch öfter hören.

 

Vor dem Abendessen wird sogar Popcorn gereicht. Ein wenig „Luxus“ muss sein. Das Essen ist natürlich recht einfach, aber gut: Frittierter Fisch, Kartoffeln und Gemüse. Das erste Abendessen im Zelt ist sehr spannend, mit Kerzen beleuchtet, die Guides hantieren mit Stirnlampen.
Unser Chief-Guide Gibson hält eine Rede zum Start. „Tomorrow will come!“ Denke nicht an morgen und an heute, sondern an einen schönen Tag in deinem Leben! Damit du gut schlafen kannst. Es wird deutlich, wie wichtig Schlaf und gute Erholung des Körpers während des Aufstiegs ist.

Danach spielen wir das Spiel „Smalltalk“, ein genialer Icebreaker bei einer Gruppe von Leuten, die sich nicht gut kennt.
Man lernt interessante Hintergrundgeschichten über die anderen – und über sich selbst.
Ich bin überrascht, wie gut auch alles ohne Alkohol funktioniert und wie offen alle sind, obwohl nur Tee ausgeschenkt wird. Aufgrund der Fitness und Akklimatisierung wird auf der gesamten Tour kein Alkohol getrunken.

Obwohl es noch recht früh ist gehen wir müde schlafen. Hinein ins Zwei-Mann-Zelt, wo auch schon mein großer Rucksack bereitliegt.
Wir sind noch gar nicht sooo hoch, aber es wird schon sehr kalt in der ersten Nacht. Und Jackpott: Mein geliehener Schlafsack ist nicht dick genug, mir ist kalt und so lässt sich unmöglich einschlafen. Also ziehe ich schon in der ersten Nacht weitere Kleidungsschichten an… Gute Nacht – auf immerhin schon 2.835 Metern.

Erkenntnis des Tages

Die Gruppe und die Guides sind super, das wird ein tolles Erlebnis!
Packt genug Kleidungsschichten als Schutz vor der Kälte ein – vor allem auch zum Schlafen! Oder natürlich den eigenen dicken Schlafsack!

Besteigung Kilimandscharo Tag 2: Machame Camp – Shira Cave Camp

Start: 2.835 Meter; Ziel: Shira Camp auf 3.750 Metern

Der Tag beginnt mit dem „Weckruf“ der Guides, einem nicht gerade sanften Topfschlagen. Meine Nacht war wegen der Kälte nicht besonders lang, aber passt noch. Ein Blick aus dem Zelt und ich bin begeistert: Strahlend blauer Himmel, direkt vor mir der schneebedeckte Gipfel des Kili – ein Traum!

Zwei Träger sind für die Wasseraufbereitung und -versorgung verantwortlich. Sie gehen morgens um die Zelte und sammeln Trinkflaschen und -beutel ein, die man später gefüllt mit gefiltertem Wasser zurückbekommt.
Zum Frühstück gibt es Porrigde, Kaffee und Tee, dazu etwas Toast. Es ist noch sehr frisch und viele tragen schon Jacken und Mütze.
Im Anschluss gönne ich mir eine weitere Tasse Kaffee, im strahlenden Sonnenschein mit Blick auf den Gipfel.

Da das Auf- und Abbauen der Zelte komplett von den Trägern übernommen wird, packen wir nur die beiden Rucksäcke – einen kleinen für den Tag und den großen mit dem Rest – und lassen das Zelt zurück.

Das Ziel der zweiten Etappe ist das Shira Camp auf 3.750 Metern, für die Wanderung sind rund 5 Stunden angesetzt.
Es geht relativ steil hinauf, die Umgebung ändert sich völlig. Gestern noch dichter Regenwald, heute nur noch kleine Bäume und Büsche. Das klare Wetter am Morgen ermöglicht grandiose Ausblicke auf Mount Meru und die ganze Umgebung. Und durch die Sonne ist es richtig warm. Die Ärmel sind hochgekrempelt, einige sind mit Shorts und T-Shirt unterwegs. Hier ist es wichtig, das Eincremen nicht zu vergessen! Auf dieser Höhe ist die Strahlung der Sonne sehr aggressiv.

Regelmäßige Trinkpausen sind ebenso Pflicht!
Wir lernen auch essentielle Vokabeln in der Sprache des Teams. „Poa“ heißt „gut“, falls man nach dem Befinden gefragt wird.
Mambo“ hört man oft, es heißt so viel wie „Wie läuft’s?

Besteigung Kilimandscharo: Ausblick auf Mount Meru

Die Sonne bietet eine herrliche Gelegenheit, meine Solar-Powerbank an den Rucksack zu hängen und den ganzen Tag schön laden zu lassen. Natürlich gibt es in den Camps keinen Strom und wer auf Handy oder sonstige elektronischen Geräte angewiesen als Wecker, Musikquelle oder Kamera angewiesen ist, sollte vorbereitet sein!
Gegen Mittag ziehen schnell Wolken auf, es wird spürbar kälter und leichter Nieselregen setzt sein. Aber alle sind mit der entsprechenden Kleidung vorbereitet.

Wir erreichen das Shira Cave Camp auf 3.750 Metern. Noch ein langer Weg bis zum Gipfel, aber viele aus der Gruppe waren noch nie so hoch in den Bergen. Wie am Vortag ist unser Camp schon komplett aufgebaut und das Mittagessen wird serviert. Suppe als Vorspeise, einfache Kost als Hauptgang. Man muss sich einfach immer vor Augen halten, was das Team alles den Berg hochträgt, um uns diesen kleinen Komfort zu ermöglichen: Zelte, Stühle, Tische, Kochutensilien, die Zutaten, … Hut ab!

Der verhältnismäßig kurze Wandertag wird zur Vorstellung des Teams genutzt, der Tourveranstalter ist sehr um ein gutes Verhältnis der Teilnehmer mit den Trägern bemüht. Jeder einzelne stellt sich vor. Im Team der Träger – die „G-Fighters“ – hat jeder seine spezifische Aufgabe, ob Koch, Träger, verantwortlich für Wasser, Nachtwache etc. Es wird wieder viel gesungen und getanzt.
Auf dem nur noch spärlich bewachsenen Plateau ist es sehr windig und ohne Sonne auch recht kühl.

 

Wir machen am Nachmittag eine kurze Wanderung zur Höhle, die dem Shira Cave Camp den Namen gibt: Die Höhle war wichtig in einer Zeit, in der noch nicht moderne, leichte Zelte und Ausrüstung einen gewissen Schlafkomfort und Schutz vor Wind und Wetter boten. Übernachten in solch einer Höhle ist heute wegen Steinschlägen und Wetterbedingungen undenkbar, war früher aber gängige Praxis.

Vor dem Schlafengehen genieße ich noch die ausgiebige warme Duschekleiner Scherz. Die „Dusche“ ist eine kleine Schüssel mit (immerhin) warmen Wasser, mit dem man sich etwas abwaschen kann.
Nach einem weiteren „Candle Light Dinner“ – mehr Beleuchtung gibt es im Essenszelt nicht – geht es in die Zelte, eine weitere kalte Nacht steht bevor.

Erkenntnis des Tages

Das Wetter kann schnell umschlagen von sonnig und warm zu düster und kalt. Das Tagesgepäck sollte mit der richtigen Kleidung ausgestattet sein!

Besteigung Kilimandscharo Tag 3: Shira Cave Camp – Lava Tower – Barranco Camp

Start: 3.750 Meter; Zwischenziel: Lava Tower 4.600 Meter; Ziel: Barranco Camp auf 3.900 Metern

Aufbruch zum Lava Tower – Akklimatisation ahoi

Da ist er, der große Akklimatisationstag! Aufsteigen in die Höhe des Lava Towers, dann wieder runter und übernachten nur etwas höher als im heutigen Shira Camp.Im Nachhinein betrachtet wohl der wichtigste Tag im Hinblick auf die erfolgreiche Besteigung.

Wieder eine Überraschung beim Öffnen des Zeltes: Fetter Bodenfrost trotz Sonnenschein. Auch heute gibt es nach dem Frühstück „Coffee with a view„, vom Mount Meru wie er aus den Wolken emporragt kann man kaum den Blick abwenden. Die Ausblicke sind mein persönliches Highlight bei der Besteigung des Kilimandscharo.

Same procedure as everyday: Sachen packen, Wasservorräte entgegennehmen und Abmarsch. Die höher wachsenden Pflanzen verschwinden langsam vollständig, es geht immer mehr in eine Geröllwüste.

 

Aber das Wetter spielt mit, am Morgen ist der Himmel strahlend blau, beim stetigen bergauf hat man immer den schneebedeckten Gipfel des Berges – DAS große Ziel – vor Augen. Kaum vorzustellen, wie diese Tour bei konstantem Regen wäre.
Immer wieder überholen uns Träger mit schnellen Schritten – immer wieder sind wir fasziniert von der Stärke, Geschwindigkeit und Ausdauer. So den Berg hochlaufen, und das auch noch mit dem schweren Gepäck, das teilweise auf den Köpfen balanciert wird – allein beim Gedanken daran knicken die Beine schon leicht ein.

Mit steigender Höhe steigt auch gegen Mittag immer mehr mehr Nebel auf, Wolken ziehen herein, wir müssen längst über 4.000 Meter Höhe sein. Selbst diejenigen aus der Gruppe, die schon einmal auf dem Inka-Trail in den peruanischen Anden unterwegs waren, bewegen sich nun in einer Höhe, in der sie noch nie gewesen sind (höchste Stelle Inka-Trail: Dead Woman’s Pass auf 4.215 Metern).

Es wird feuchter und deutlich kühler, die Jacken und Mützen werden ausgepackt – Hände und Rucksäcke eingepackt. Mit den Regenjacken ist die Gruppe plötzlich extrem farbenfroh unterwegs – quietschgelb, royalblau, pink, rot…
Das Ziel der Mittagspause rückt immer mehr „in Sicht“, der Lava Tower auf 4.600 Metern. Sofern man bei dem Wetter von „in Sicht“ überhaupt sprechen kann.

Besteigung Kilimandscharo: Mittagspause auf 4.600 Metern

Die fleißigen G-Fighter haben bereits das Messezelt und die Küche aufgebaut und kurz nach Ankunft wird das warme Mittagessen serviert. Der Aufstieg war anstrengend und alle sind erschöpft. Aber außer der Anstrengung ist heute noch etwas anderen ganz deutlich zu spüren: Die Höhe!

Zum ersten Mal hält sich bei einigen spürbar der Appetit in Grenzen, die Höhe fordert ihren Tribut. Denn spätestens hier ist sich jeder aus der Gruppe sicher: So hoch bin ich noch nie im Leben gewesen. Wir bekommen Zeit, uns auszuruhen. Einige versuchen sogar zu schlafen, so müde sind sie.

Nach der ausgedehnten Pause, die vor allem der weiteren Akklimatisation dienen soll, treten wir den Abstieg ins Nachtcamp an – Barranco. Es ist stark bewölkt und beginnt zu regnen. Zum ersten Mal dick eingepackt in die komplette Regenmontur ist ein ungewohntes Gefühl. Beim Verlassen des Lava Towers beginnt es sogar zu hageln (auf 4.600 Metern ist der Regen einfach gefroren).
Über glitschige Steine geht es hinab. Der Hagel prallt zwar leicht von der Regenkleidung ab, der kurze Schauer lässt jedoch erahnen, wie trist und Konzentrations-fordernd eine Wanderung bei schlechtem Wetter ist. „Fingers crossed„, dass es die nächsten Tage nicht so bleibt.

 

Die Guides lassen sich die Stimmung nicht verderben, „Jambo Jambo„. Sie haben sicher schon weit Schlimmeres erlebt.
Der Abstieg dauert rund 2,5 Stunden und führt durch ein ausgedehntes Tal mit steilen Hängen. Gegen Ende lässt sich sogar die Sonne wieder etwas blicken.

Besteigung Kilimandscharo: Ankunft im malerischen Barranco Camp

Das Camp für die Nacht ist das Barranco Camp auf 3.900 Metern. Es liegt malerisch auf einem Felsvorsprung neben langen Schluchten ins Tal. Selbst von hier aus ist der Uhuru Peak noch mit 15 Kilometern Entfernung angeschrieben.
Vor uns türmt sich die Barranco Wall auf. Eine beeindruckende 300 Meter hohe, steile Felswand, die als erste Etappe am nächsten Morgen vor uns liegt. Statt dem eher lockeren Wandern wird es eine Kletterpassage werden.

Es wird uns eine kurze Pause zur Erholung gegönnt, jedem die Schüssel lauwarmes Wasser für „Wash Wash“ (so nennen es die liebenswürdigen Träger) bereitgestellt. Ich würde „Katzenwäsche“ dazu sagen. Bei nahezu 0 Grad ist mir allerdings das „1-2-3 – Oberkörper-frei“ mit Wasser benetzen absolut vergangen. Feuchte Tücher o. ä. sind eine willkommene Alternative.

 

Das Abendessen ist heute ein richtiges Trauerspiel, die Höhe macht den meisten aus der Gruppe sichtbar zu schaffen.
Man kann langsam die Reihe durchgehen: Die Erste hat keinen Appetit und isst überhaupt nichts zu Abend, die Zweite hat übles Nasenbluten, der Dritte übergibt sich plötzlich in die Zeltecke, die Vierte hat wieder keinen Hunger…
Alle sind müde und geschafft. Die Suppenschüsseln werden in der Hand gehalten, weil sie zusätzlich wärmen.

Ich bin abends hin und her gerissen: Eigentlich will man viel warmen Tee trinken für Wärme und gegen die Höhenkrankheit – und das tolle Gefühl warmer Finger zu haben. Aber viel Flüssigkeit erhöht auch das Risiko nachts aufzuwachen und zur Toilette zu müssen. Nachts raus zu müssen und das damit verbundene Herausschälen aus dem warmen Schlafsack ist richtig bitter.

Jeder hat großen Respekt vor den nächsten zwei Tagen… früh aufstehen, sehr lange Tage mit anstrengender Wanderung, große Höhe. Keiner weiß was mit dem Körper passiert. Alles ist kalt, neblig.
Und am nächsten Tag geht es um 6 Uhr aus dem Bett…
Zeit für eine Motivationsrede von Gibson, dem es damit gelingt alle wieder ein wenig aufzubauen und zu ermutigen. Der Abend ist den Umständen entsprechend kurz und alle sind schnell in den Zelten.

Mir ist jeden Abend kalt, mittlerweile habe ich nachts alle warmen Kleidungsstücke an, die ich dabei habe, inklusive meiner Daunenjacke, die ich eigentlich auf dem Weg zur Arbeit trage. Dazu kommt der Druck, schlafen zu müssen, um den Körper vernünftig auszuruhen. Ein Teufelskreis.

Und natürlich: Nachts wache ich auch und muss zur Toilette… verdammt. Aber heute lohnt es sich: Der weiße schneebedeckte Gipfel des Kili zeichnet sich über der Barranco Wall vom dunklen Nachthimmel ab. Ehrfürchtig geht es zurück in den warmen Schlafsack.

Erkenntnisse des Tages

  1. Habe Respekt vor der Höhe und lass es langsam angehen!
  2. Eine Wärmflasche an den Füßen wäre jetzt genau das Richtige!

 

Lust auf mehr? Wie geht es weiter bis zum Gipfel? Schaffen es alle aus der Reisegruppe?

Lies weiter in Teil 2 meines Erfahrungsberichts zur Besteigung des Kilimandscharo.

 

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